Drohmittel Verzugsschaden. Inkassofirmen kämpfen mit allen Mitteln

„Und bis du nicht willig, so brauch ich Gewalt,“ heisst es in Goethes Erlkönig. Inkassoformen scheinen sich mit dieser Methode besonders angefreundet zu haben. Um neben der offenen Forderung auch die Zahlung des Verzugsschadens einzutreiben, drohen Sie bei Zahlungsverweigerung mit einer Meldung bei Wirtschaftsauskünften. Diese sorgen dann dafür, dass die „Bonitätsampel“ des Betroffenen nicht mehr auf grün, sondern auf gelb steht.

 

Wenn die Kreditampel auf gelb schaltet

Ist die Kredit- bzw. Bonitätsampel auf gelb geschaltet, hat das Folgen. Es kann z.B. bei Onlineshops zu verweigerten Lieferungen kommen, die auf Rechnung geordert werden. Online-Händler sind in der Regel an Wirtschaftsauskunfteien angeschlossen und fragen automatisch die Kreditwürdigkeit des Kunden ab. Ein Kriterium, das nicht nur bei Bankprodukten, sondern auch bei Bestellung und im Handel überprüft wird. Der Kunde gilt mit einem „gelbwürdigen“ Eintrag nicht mehr als „kreditwürdig“. Dabei ist die Höhe der Bestellsumme unerheblich, ob es 16 Franken, 60 oder 600 Franken sind. Der Konsument hat das Nachsehen und den Ärger. Oftmals jedoch, ohne dass die Bonität tatsächlich gefährdet wäre. Der Konsument kann über die entsprechende Liquidität verfügen, wird aber wegen der säumigen Zahlung des Verzugsschadens von einer Wirtschaftsauskunft wie Crif Bürgel als „nicht kreditwürdig“ eingestuft. Das ist völlig widersprüchlich, bedenkt man die Stellungnahme des Bundesrates zu dieser Praxis.

 

Warum der Verzugsschaden gemäss Bundesrat nicht rechtens ist

Dass die Inkassofirma jedoch keine rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen hat, wird von der Auskunftei nicht berücksichtigt. Der Betroffene hat das Recht eigentlich auf seiner Seite. Schuldenberatungen und Konsumentenschützer raten immer wieder dazu, den Verzugsschaden nicht zu zahlen. Der Bundesrat hat die Praxis der Inkassobüros kritisiert, dem Schuldner höhere Kosten aufzubürden. Schuldner haben die Möglichkeit, sich gegen den Verzugsschaden zur Wehr zu setzen. Es ist eine Zahlung, die er nicht zwingend tätigen muss. Der Bundesrat hat in einer Veröffentlichung kundgetan, dass ein Gläubiger solche Verzugsschäden bzw. Verspätungsschäden konkret nachweisen muss.

 

Wie sich Schuldner wehren können

Daher wird Schuldnern empfohlen, mit einem neutralen Einzahlungsschein nur Rechnungsbetrag und Schuldzins zu überweisen. Es empfiehlt sich, dass er über die Zahlungsverweigerung eine Mitteilung an den Absender schickt. Auf Konsumenten-portalen sind entsprechende Musterbriefe für den Download hinterlegt. Der Bundesrat spricht Betroffenen das Recht der Zahlungsverweigerung und die Unrechtmässigkeit des Verzugsschadens zu – sofern er nicht konkret und präzise in der Höhe nachgewiesen werden kann. Sollte dies dennoch geschehen, können sich Betroffene beim Inkassoverband beschweren und bei Schuldenberatungen bzw. Konsumentenschützer informieren, was zu tun ist. Von der Wirtschaftsauskunft sollte eine Kopie der Einträge angefordert und für unberechtigte Einträge eine Löschung beantragt werden.

 

An wen sich Betroffene wenden können:

Zum Beispiel eine der genannten Vermittlerfirmen oder Finanzsanierungsfirmen

 

 

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1 Kommentar

Maximus Z. 19. Januar 2019 um 17.08
Verzugsschaden sollte verboten werden

Wie gemein ist das denn?! Kriegen die Inkassofirmen nicht den Hals voll? Die Verzugszinsen sind doch schon üppig genug. Das ist nur weiterer Stress, sich gegen auch noch gegen diese blöden Kosten  des Verzugsschadens wehren zu müssen. Als ob man nicht schon genug Ärger und Sorgen mit Schulden hat. Aber trotzdem danke für die Informationen. Jedenfalls sollte der Verzugsschaden verboten werden!

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